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Zwei, vier, nein, ungezählte Mauersegler am leuchtenden, tiefblau- en Spätnachmittaghimmel über den Dächern von Linguaglossa in Sizilien. In den letzten Tagen sind sie aus Afrika zurückgekehrt. Ein ganzes Leben in der Luft. Nie ein Schritt auf dem Boden. Heute der letzte Tag im März 2019, es ist 17:45. Stille, auch im Dorf. Ein Star ruft langgezogen, er hat auch sein Winterquartier auf meinem Dach. Der Lorbeer blüht. Tagsüber, wenn die Sonne scheint, ist er voller summender Bienen. Hier und da fliegt eilig eine Taube vorbei. Und ich höre das kurze Tschagg der Turmdohlen, die in den Mauerlöchern hausen. 

Katzen, immer läuft wieder eine zu, Tigitigi ist noch eine Findelkatze aus der Schweiz. Hunde, zehn an der Zahl, aus Linguaglossa alle, von der Strasse, aus den Büschen. Dana, Fiar, Cetti, Leon und seine Ziehmutter Trente, Cesare und seine Schwester Rosy und die Freundinnen Emma & Tina. Ungezählte, tausende Eichen auf 20 Hektare Land, viele Edelkastanien, Dutzende Ulmen, neun Schwarzföhren, vier Pinien. Steineiche, Wilde Kirsche, Sorbus, ein Ahorn, etwa 500 Olivenbäume, Haselsträucher, Feigen- und Mandelbäume, Birn- und Apfelbäume. Ein Granatapfelstrauch. Quitten, Mispeln, Baumnüsse, Kirschen, Aprikosen. Maulbeeren. Feigenkaktus. Mandarinen, und nun auch Zitronen und Kiwi.

Das Eintauchen in die alte Kulturlandschaft mit ihren vom Tal bis zur höchsten Krete terrassierten Bergen, zugewachsene, mit Steinen gepflasterte Maultierpfade, zerfallende Weinpressen. Nach dem Krieg wurde das steile, arbeitsintensive Land verlassen. Ausgewandert sind viele, in den Kanton Aargau in der Schweiz, nach Australien.

Sizilien, die Magie, die dem (W)ort innewohnt. Archaisch und anarchisch trotz EU-Firnis, rau, wild, schön. Eine lange Geschichte.